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Gedankensplitter: Billiglohnländer

Asien und Osteuropa – die große Bedrohung. Ständig werden Arbeiter entlassen und Arbeitsplätze ins Ausland verlagert: in die so genannten Billiglohnländer.

Doch was hat es damit auf sich?

Schauen wir zum Beispiel mal nach Thailand. Ein einfacher Arbeiter bekommt dort für eine Stunde Arbeit 20 Baht. Ist das viel oder wenig? Schwer zu sagen. Jedenfalls kann er sich für diese 20 Baht an der nächsten Straßenküche ein leckeres und sättigendes Mittagessen kaufen. Es fällt mir deshalb schwer, Thailand als Billiglohnland zu bezeichnen, auch wenn man für 1 Euro fast 50 Baht bekommt.

Anderes Beispiel: Polen. Jeden Sommer kommen die polnischen Spargelstecher zu uns und schuften für einen miesen Hungerlohn. "Die Deutschen sind zu faul", heißt es dann immer. Stimmt das? Ich denke, nein. Der Pole fährt nämlich nach der Spargelsaison wieder nach Hause und tauscht den miesen Hungerlohn an der Grenze in Zloty um – und hat dann plötzlich so viel Geld in der Hand, dass er dafür in Polen ein ganzes Jahr hätte arbeiten müssen. Ich wette, wenn Deutsche in einer Spargelsaison ebenfalls einen ganzen Jahreslohn verdienen könnten, würden sie vor den Plantagen Schlange stehen.

Diese beiden Beispiele zeigen: es gibt vermutlich gar keine Billiglohnländer. Sie kommen uns nur so billig vor, weil ihre Währungen so extrem niedrig bewertet sind. Nur der Wechselkurs macht diese Länder so billig, anstatt sich an der Kaufkraft der Währungen zu orientieren!

Die Chinesen wissen das und halten ihre Währung künstlich billig, indem sie massenweise US-Dollar kaufen.

Und unsere Arbeitgeber jammern, die Arbeit in Deutschland wäre zu teuer. Sie verlangen, die deutschen Arbeiter sollen mit Sozialabbau und Lohnverzicht gegen diese ungerechten Wechselkurse und Kursmanipulationen ankämpfen. Eine lächerliche Forderung in meinen Augen. Es wäre gerechter, den Euro drastisch abzuwerten und die Wechselkurse an die Kaufkraft der jeweiligen Währung anzugleichen. Dies würde nicht nur Arbeitsplätze bei uns halten, sondern auch Europa für Wirtschaftsflüchtlinge uninteressant machen.